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Die Schweiz und ein alternatives Geldsystem

Von den Grenzen grenzenlosen Wachstums und der Chance in der Krise

“Krise ja, aber ohne mich!” lautet  ein Leitspruch der Positivisten, jener Klinsmänner also, die missratene Situationen schönreden oder schöndenken wollen. Gegen einen gesunden Optimismus ist zwar grundsätzlich nichts einzuwenden. Er sollte jedoch mit einem ordentlichen Schuss Realismus gepaart sein. Und die Realität der Krise besagt, dass wir es derzeit nicht mit einer “normalen” Konjunkturdelle zu tun haben, sondern mit einem Fehler im System.  Die Wochenzeitung “Die Zeit” hat das Grundproblem auf den Punkt gebracht mit Ihrer Titelschlagzeile: “Geht es auch ohne Wachstum?”

Diese Frage würde wohl jeder in anderen Bereichen, zum Beispiel im Garten, bei den eigenen Kindern oder bei der eigenen Arbeitszeit, mit ja beantworten. In der Volkswirtschaft tut man sich offensichtlich nicht so leicht damit. Denn der Fehler im System, genauer im Geldsystem, ist wohl eines jener Tabus in unserer Gesellschaft, an dem man auch in Zeiten der Krise bestenfalls nur vorsichtig rütteln darf, so wie es der “Zeit”-Autor gemacht hat. Denn wir alle sind von Kindesbeinen an darauf konditioniert, dass Geld Zinsen bringt, wenn man es zur Bank bringt. Wir gaben artig unsere Sparschweine ab und wurden dafür mit Spielsachen belohnt. Später rechneten uns Versicherungsvertreter vor, dass Lebensversicherungen oder Sparpläne uns einen sorgenfreien Ruhestand bescheren könnten dank des Zinseszins-Effekts. Das Wesen unseres Geldes und das Finanzsystem schienen so unumstößlich zu gelten wie Naturgesetze. Dabei war Geld nicht schon immer auf der Welt, und auch der Zins ist eine Erfindung des Menschen. Grenzenlos wachsendes Geldvermögen allerdings verlangt nach grenzenlos wachsender Wirtschaftsleistung. Oder anders ausgedrückt: Die Kaufkraft des Geldes muss durch Güter, Waren und Dienstleistungen gedeckt sein. Die doppelte Buchführung, jedem Kaufmann ein Selbstverständnis, gilt auch hier. Die Zinsen, also das erwerbslose Einkommen, das ich erhalte, muss irgendwo ein anderer Mensch erwirtschaften und erarbeiten. Nur: Irgendwann gibt es nicht mehr genügend Menschen, die das leisten können oder wollen. Und die Natur lässt sich auch nicht grenzenlos ausbeuten. In der Vergangenheit lösten die Menschen dieses Problem mit einem Währungsschnitt. Das Geld verlor massiv an Wert oder wurde durch neues ersetzt. Und damit konnte das Spiel vom grenzenlosen Wachstum von vorne losgehen.

Lässt dieses Grundproblem in unserem Wirtschaftssystem unsere Politiker kalt? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Wer weiß, ob nicht schon Pläne für einen Währungsschnitt in den Schubläden der Wirtschaftsminister schlummern.

Margrit Kennedy, die sich schon seit über 20 Jahren mit alternativen Geldsystemen befasst, wurde vor einigen Wochen von Politikern  um Rat gefragt, wie man rasch eine Notwährung einführen könne. Das jedenfalls berichtete sie auf einem Geldkongress in Frankfurt am Main. Allerdings handelte es sich bei den Politikern nicht um Mitglieder der deutschen Bundesregierung oder eines anderen größteren Landes. Die Ratsuchenden waren Mitglieder  einer Kantonatsverwaltung in der Schweiz.
Vielleicht tut es hier gut, etwas positivistisch zu sein: Nicht ein kleiner Kanton, sondern die in Gelddingen nicht unmaßgebliche Schweiz beschäftigt sich mit einem alternativen Geld- und Währungssystem.

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