Wenn im Meinungsstreit der Streit abhanden kommt

Januar 19, 2011 · Posted in Allgemein, Der rasende Reporter, Journalismus und PR · Comment 

Ein Plädoyer gegen das Unwesen todlangweiliger Podiumsdiskussionen

Für manche sind es nur Kleinigkeiten, für mich als Journalisten allerdings Wesentlichkeiten: die korrekte Verwendung von Begriffen.

So ist im Zeitalter der Fernseh-Talkshows eine rapide Zunahme von sogenannten “Podiumsdikussionen” zu beobachten. Nun bin ich fürwahr kein Gegner des kultivierten Streitgesprächs, ganz im Gegenteil. Was ich allerdings nicht mag, sind Streitgespräche, die keine sind, weil der Meinungsstreit fehlt.
Denn ganz im Gegensatz zu der Online-Enzyklopädie Wikipedia, die die Worte “Podiumsdiskussion” und “Podiumsgespräch” gleichsetzt, plädiere ich dafür, auf die Untschiede zwischen Gespräch und Diskussion zu achten.
Eine Diskussion setzt immer mindestens zwei Gesprächspartner mit unterschiedlichen Meinungen oder Auffassungen voraus. Ein Gespräch dagegen kann völlig einvernehmlich geführt werden. Ja, es gibt sogar Selbstgespräche. Von Selbstdiskussionen dagegen habe ich bisher noch nicht gehört.
Als Besucher einer Podiumsdiskussion erwarte ich also einen Meinungsstreit, und diesen auf möglichst unterhaltsame Weise. Mögen dabei die Fetzen fliegen, solange die Podiumsdiskutanten beim Thema bleiben und sich hinterher noch in die Augen schauen und die Hände geben können.
Ob eine Podiumsdiskussion in diesem Sinne gelingt, hängt in erster Linie von der Auswahl des Themas und der Podiumsteilnehmer ab, in zweiter Linie von der Qualität des Moderators. Sitzen auf dem Podium Personen, die im Prinzip einer Meinung sind oder die mit ihrer Meinung niemanden wehtun wollen und zum Lachen in den Keller gehen, wird man sehr wahrscheinlich eines erreichen: große Teile des Publikums verlassen während der Veranstaltung den Saal und kommen nicht wieder. Die wenigen, die dableiben, müssen nach der Veranstaltung geweckt werden.
Übrigens: Auch Podiumsgespräche können durchaus kurzweilig und unterhaltsam sein. Im Idealfall tauschen die Gesprächsteilnehmer ihre Gedanken auf originelle und humorvolle Weise aus und entwickeln so vielleicht ganz neue, überraschende Ideen. Auch hier gilt: Podiumsteilnehmer müssen nicht nur Fachexperten, sondern auch Kommunikations- beziehungsweise Showexperten sein.

Berufsbedingt besuche ich viele Podiumsdiskussionen. Vier von fünf sind leider todlangweilig. Das fängt oft schon beim Thema an. Wenn ich zum Beispiel zu einer Podiumsdiskussion “Neuer Personalausweis: Einführung – und danach … – Was machen wir daraus?” eingeladen werde und als Podiums-”Diskutanten” nur Behördenvertreter und Befürworter des neuen Ausweises angekündigt werden, weiß ich schon, dass ich neben Block und Stift noch ein weiteres mitnehmen muss: eine Thermoskanne mit Kaffee.

“Metropolregion darf keine Einbahnstraße sein”

Landrat Dr. Achim Brötel in seinem Jahresbrief über das Verhältnis des Neckar-Odenwald-Kreises zur Metropolregion Rhein-Neckar

Meine Beiträge zum Thema “Vernachlässigt die Metropolregion den ländlichen Raum?”  hat höhere Wellen geschlagen als ich erwartet hätte.  Das Schreiben von Landrat Dr. Achim Brötel an Regina Pfriem, die bei der Metropolregion für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, hat zu einem Telefongespräch mit dieser geführt.  Frau Pfriem bat mich, dieses insgesamt angenehme Gespräch vertraulich zu behandeln.  Ich respektierte diesen Wunsch. Nun hat Dr. Achim Brötel in seinem Weihnachtsbrief das Verhältnis des Neckar-Odenwald-Kreises zur Metropolregion angesprochen. Diese Worte will ich Ihnen, liebe Leser, natürlich nicht vorenthalten:

“Die Metropolregion hat sich zum 5. Geburtstag vor kurzem selbst gefeiert. „Ein Benchmark der Regionalentwicklung“. So stand es zumindest in der Zeitung zu lesen. Meine Bewertung fällt hingegen wesentlich nüchterner aus. Sicher: Die Zusammenarbeit mit dem Regionalverband funktioniert im Tagesgeschäft aus unserer Sicht durchaus gut. Darüber hinaus muss man aber eines ganz deutlich sagen: Im Neckar-Odenwald-Kreis ist die Metropolregion bislang außer in vollmundigen Ankündigungen nicht angekommen. Daran haben auch unsere intensiven Bemühungen nichts zu ändern vermocht. Und: Anspruch und Wirklichkeit passen oftmals einfach nicht zusammen. Ziemlich viel warme Luft, Hochglanzbroschüren und Events für ausgewählte „Metropolitaner“ allein schaffen nämlich noch keinen regionalen Mehrwert. Die Zukunft wird deshalb zeigen, ob der ländliche Raum dort überhaupt seinen Platz findet. An unserer Bereitschaft zur Mitwirkung wird es jedenfalls sicher nicht fehlen. Und es bleibt dabei: Die Wege in die Zentren der Metropolregion dürfen keine Einbahnstraßen sein.”

Stell dir vor, man bindet dich ein, und keiner kriegt es mit

Stellungnahme von Dr. Achim Brötel, Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, auf die Antwort von Regina Pfriem von der  Metropolregion Rhein-Neckar GmbH

Sehr geehrte Frau Pfriem,

im Neckar-Odenwald-Kreis kursiert seit zwei Tagen ein Internetlink (www.diefeder.de/2010/11/wir-bemuhen-uns-um-den-landlichen-raum/), in dem Sie aus einem Gespräch mit dem Journalisten Martin Bernhard u.a. wie folgt zitiert werden:

“Wird der Ländliche Raum von der Metropolregion vernachlässigt? Regina Pfriem, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH sowie beim Verein “Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar e.V.” beantwortete diese Frage in einem Telefongespräch mit dem Autor dieser Zeilen mit einem klaren “Nein”. Nach ihren Worten bindet man die ländlichen Landkreise in die Arbeit der Metropolregion ein. So habe man vor kurzem eine Vorstandssitzung in Mosbach abgehalten. Immer wieder versuche man, Kommunalpolitiker aus dem Neckar-Odenwald-Kreis zur Mitarbeit zu motivieren. Dies werde oft abgelehnt. Später beklagten jene Politiker sich dann darüber, in die Entscheidungsprozesse nicht einbezogen worden zu sein.”

Falls diese Äußerungen tatsächlich so gefallen sein sollten, wäre das in meinen Augen allerdings ein neuer atmosphärischer Tiefpunkt in dem ohnehin belasteten Verhältnis der Metropolregion zu ihren ländlichen Räumen. Für meine Person weise ich die damit verbundene Unterstellung jedenfalls entschieden zurück. Es war und es ist mir nicht erst seit gestern ein Anliegen, bei der Metropolregion nicht nur körperlich präsent zu sein, sondern auch aktiv mitzuarbeiten. Wenn Sie einen gegenteiligen Eindruck haben, bitte ich ausdrücklich darum, “Ross und Reiter” zu nennen. In dieser pauschalen Form kann das aber so sicher nicht stehen bleiben. Ich werde Herrn Bernhard deshalb ausdrücklich authorisieren, auch meine Antwort auf seiner Website zu veröffentlichen.

Im übrigen spricht Ihre Aussage, man binde die ländlichen Landkreise in die Arbeit der Metropolregion ein und habe vor kurzem sogar eine Vorstandssitzung in Mosbach abgehalten, allerdings Bände. Um Ihnen eine objektive Beurteilung dieser “Einbindung” zu ermöglichen, erlaube ich mir folgende kurze Hinweise:

A) Von der Vorstandssitzung des Vereins hat weder die Große Kreisstadt Mosbach noch das Landratsamt Kenntnis gehabt. Wenn das Ihre Form der “Einbindung” ist, dann gute Nacht. IHK-Präsident Dr. Vogel, der lediglich sein Gebäude zur Verfügung gestellt hat, hat mich von sich aus inzwischen angerufen und sich förmlich für dieses Versäumnis (das gar nicht seines war!) entschuldigt. Bei der IHK (und in gleicher Weise bei der Handwerkskammer) wird nämlich wirklich regional gedacht. Bei der Metropolregion selbst ist das leider nicht der Fall.

B) Die GmbH hat die Sonderbeilage “5 Jahre Metropolregion” zu verantworten, in der die ländlichen Räume (nicht nur, aber auch der Neckar-Odenwald-Kreis) nahezu nicht vorkommen. Nach den mir vorliegenden Informationen war der Verband dabei noch nicht einmal beteiligt geschweige denn wenigstens informell eingebunden. So kann man natürlich auch arbeiten.

C) Der Verband hat eine Verkehrskonferenz Neckartal durchgeführt, in der es insbesondere um unsere (sic!) bessere verkehrliche Anbindung an die Zentren ging. Leider hat man uns dazu aber noch nicht einmal eingeladen. Dafür hat sich Verbandsdirektor Schlusche inzwischen ebenfalls entschuldigt. Ich akzeptiere diese Entschuldigung, wenngleich ich den zugrunde liegenden Vorgang auch heute noch nicht verstehen kann. Das soll deshalb bewusst kein “Nachtreten” sein, aber eine Illustration für das “Einbinden der ländlichen Landkreise” durch die hohe Metropolregion.

Das waren drei kleine Splitter – alle drei aus den letzten vier Wochen, und das in allen Bereichen, bei Verband, GmbH und Verein. Jeder andere würde da auch mit deutlichen Worten reagieren. Wer selbst im metropolitanen Glashaus sitzt, hat allerdings sicher kein Recht, dann auch noch mit Steinen zu werfen. Da gäbe es erst einmal viele, viele Hausaufgaben im eigenen Bereich zu machen.

Mit freundlichen Grüßen

A. Brötel

“Wir bemühen uns um den ländlichen Raum”

November 24, 2010 · Posted in Metropolregion Rhein-Neckar · Comment 

Antwort von Regina Pfriem, Metropolregion Rhein-Neckar GmbH

Wird der ländliche Raum von der Metropolregion vernachlässigt? Regina Pfriem, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH sowie beim Verein “Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar e.V.”  beantwortete diese Frage in einem Telefongespräch mit dem Autor dieser Zeilen mit einem klaren “Nein”.  Nach ihren Worten bindet man die ländlichen Landkreise in die Arbeit der Metropolregion ein. So habe man vor kurzem eine Vorstandssitzung in Mosbach abgehalten. Immer wieder versuche man, Kommunalpolitiker aus dem Neckar-Odenwald-Kreis zur Mitarbeit zu motivieren. Dies werde oft abgelehnt. Später beklagten jene Politiker sich dann darüber,   in die Entscheidungsprozesse nicht einbezogen worden zu sein.

Dass der Neckar-Odenwald-Kreis in einer Sonderbeilage zum fünfjährigen Bestehen der Metropolregion kaum berücksichtigt worden ist, bedauerte Regina Pfriem. “Ich bin froh darüber, dass die drei Zeitungsverlage Rheinpfalz, Rhein-Neckar-Zeitung und Mannheimer Morgen, auf redaktioneller Ebene zusammengearbeitet haben.”  Die Metropolregion habe nur Einfluss auf die Titelbildgestaltung genommen und ein Editorial geliefert. Darüber hinaus habe man den Redakteuren freie Hand in der Themenwahl gelassen. Man werde jedoch in einer Nachbesprechung die Verlage über die Kritik informieren.

Vernachlässigt Metropolregion den ländlichen Raum?

Leserbrief zur Sonderbeilage “5 Jahre Metropolregion Rhein-Neckar”

Liebe Frau Pfriem,

beim Lesen Ihres Newsletters wurde ich an die Sonderbeilage zum fünfjährigen Bestehen der Metropolregion Rhein-Neckar erinnert. Ich habe diese mit Interesse gelesen. Alles in allem ist die Publikation sehr gelungen.

Dennoch muss ich kritisieren, dass der Neckar-Odenwald-Kreis nur drei Mal und nur sehr kurz in dieser Ausgabe erwähnt wird, nämlich die Burg Guttenberg in Haßmersheim, der Standort eines Werks der Fa. Braun in Walldürn sowie der Standort der Dualen Hochschule in Mosbach. Wohl ist es verständlich, dass Darstellungen über die Zentren Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen eine solche Publikation dominieren müssen. Doch dass die Randgebiete der Metropolregion so stiefmütterlich behandelt werden, ist nicht nachvollziehbar. Auch der Neckar-Odenwald-Kreis verfügt über Alleinstellungsmerkmale. Ich nenne hier nur die Wallfahrt in Walldürn, die in Baden-Württemberg einzigartigen Höhlenwelten in Buchen-Eberstadt, das Freilandmuseum in Walldürn-Gottersdorf und den Neckar-Odenwald-Kreis insgesamt, der rechnerisch den Stromverbrauch aller seiner Privathaushalte mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen abdecken könnte. Hier haben so interessante Unternehmen ihren Sitz wie Fa. Goldschmitt AG in Walldürn-Höpfingen, die Lokomotivfabrik Gmeiner in Mosbach, der Müslimacher Seitenbacher in Buchen sowie Hoffmann + Krippner aus Buchen, deren Folientastaturen unter anderem im Transrapid in China eingesetzt werden.

Ich will jedoch nicht nur für den Neckar-Odenwald-Kreis Partei ergreifen, wenn dieser mir – da ich hier wohne – auch besonders vertraut ist. Auch die anderen ländlichen Regionen scheinen mir in der Beilage etwas zu kurz gekommen zu sein. Wäre es nicht möglich gewesen, die ländlichen Flächenlandkreise auf jeweills einer Seite kurz in Text und Bild vorzustellen? Schließlich leisten sie wertvolle Beiträge zur Metropolregion, zum Beispiel als Reservoir wertvoller Fachkräfte. In meinem persönlichen Umfeld muss ich immer wieder feststellen, dass gut ausgebildete junge Leute in die Zentren der Metropolregion ziehen. Sie leisten dort ihren Beitrag, damit die Unternehmen ihre Spitzenstellung behalten und vielleicht sogar ausbauen können.

Mein erster Impuls war, einen Leserbrief zu schreiben. Doch wohin diesen schicken? An den im Impressum angegebenen Herausgeber? Doch hier wird kein Ansprechpartner namentlich genannt. An eine der drei Redaktionen? Hier werden wiederum nur Namen, aber keine Adressen genannt. Insofern machten es die Macher der Publikation ihren Lesern nicht leicht, eine Rückmeldung zu geben.

Vielleicht fügen Sie in der nächsten Sonderveröffentlichung einen Infokasten ein nach dem Motto: “Wie gefällt Ihnen unsere Sonderbeilage? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an …”. Insofern freue ich mich, dass im Newsletter der Metropolregion Sie als Ansprechpartnerin für die Sonderbeilage genannt werden.

Beste Grüße

Martin Bernhard


Viele Häuser, wenig Käufer

Schwere Zeiten für Immobilienverkäufer in Buchen

Fast zwei Jahre lang stand das Einfamilienhaus in innenstadtnaher Lage in Buchen zum Verkauf. Und wer die Immobilienanzeigen aufmerksam verfolgte, stellte fest, wie der Angebotspreis allmählich fiel: Der Anfangspreis von 275.000 Euro hielt sich ein gutes Jahr lang, dann ging es in 10.000-Euro-Schritten nach unten. Man hatte sich schon fast an das Schild „Zu verkaufen“ in den Fenstern des Hauses gewöhnt, da kehrte plötzlich Leben in die Bude ein. Die Immobilie hatte den Besitzer gewechselt, für 210.000 Euro.

Da sind die Eigentümer einer Immobillie mit zehn Zimmern in einem Wohngebiet im Westen der Stadt hartnäckiger. Seit fünf Jahren versuchen sie vergeblich, für das vom Vater geerbte Haus einen neuen Eigentümer zu finden. Interessenten gab es schon, allein der Preis, den diese zu zahlen bereit gewesen wären, passte nicht. Die Erbengemeinschaft wollte ursprünglich 215.000 Euro erzielen, inzwischen wären sie auch mit 198.000 Euro zufrieden. Doch die Angebote lagen nicht über 175.000 Euro. „Aber verschleudern wollen wir unser Elternhaus auch nicht“, sagt einer der Erben.

Elternhaus, kürzlich getätigte aufwändige Renovierungsarbeiten, höhere Preise in anderen Städten: Den potenziellen Käufer interessiert all das nicht. Letztlich entscheiden auch auf diesem Markt Angebot und Nachfrage über den Preis. Und da die Nachfrage fällt, das Angebot dagegen zunimmt, kann man nicht mit steigenden Preisen rechnen, im Gegenteil. „Es stehen viele ältere Häuser zum Verkauf“, hat Norbert Lobeck, Makler bei der Sparkassen-Immobilien-Gesellschaft Neckar-Odenwald-Bauland in Buchen, festgestellt. Und Immobilienmakler Günther Baumbusch bringt die Marktverhältnisse auf einen prägnanten Nenner: „Das Angebot überwiegt die Nachfrage extrem. Die Nachfrage ist extrem gering.“

Viele, vor allem private Verkäufer, schätzten den Markt völlig falsch ein. „Es gibt in Buchen viele Immobilien, die zu teuer sind. Die werden in der Regel von Privatleuten angeboten“, sagt Immobilienmakler Hartmut Kirchgeßner. Wenn sie dann eines Tages doch verkauft würden, dann oft 20 bis 30 Prozent unter dem ursprünglich angeboteten Preis.

Kirchgeßner hält nichts davon, ein Haus zunächst zu einem zu hohen Preis anzubieten und diesen langsam zu senken, sollte es sich anders nicht verkaufen lassen. „Am Anfang sollte eine professionelle Verkaufswertermittlung stehen.“ Darin fließen Gebäudewert aber auch eine realistische Markteinschätzung ein.

Doch auch wenn man glaubt, bei der Wertermittlung alles richtig gemacht zu haben, braucht man als Verkäufer Geduld. „Ich habe kürzlich ein Haus „Am Himmelreich“ für 165.000 Euro angeboten. Keiner hat angerufen.“ Nach den Worten von Günther Baumbusch hätte man für dieses Gebäude vor zwei Jahren noch 200.000 Euro erzielen können. Aus dem Angebot an Immobilien in und um Buchen sei längst ein Überangebot geworden. „Und in den nächsten Jahren wird das Angebot noch größer werden“, ist Baumbusch überzeugt.

In den 90er Jahren dagegen war das noch ganz anders. Viele Übersiedler aus Osteuropa, die in Buchen heimisch geworden waren, legten sich Eigenheime zu. Doch schon um die Jahrtausendwende brach die Nachfrage ein. „Seit sechs bis sieben Jahren bewegen sich die Immobilienpreise auf einem flachen Niveau“, sagt Hartmut Kirchgeßner.

Aber wie wird es weitergehen? Einerseits sollte das derzeit niedrige Zinsniveau den Immobilienmarkt beleben, andererseits scheuen potenzielle Käufer angesichts von Kurzarbeit und Angst um den Arbeitsplatz eine solch weitreichende finanzielle Verpflichtung.

Professor Stephan Kippes vom Immobilienverband Deutschland-Süd zeigt sich als Berufsoptimist, zumindest was Süddeutschland angeht. „Wir haben einen wachsenden Wohnflächenbedarf.“ Denn der durchschnittliche Bedarf an Wohnraum pro Person nehme jährlich um 0,3 bis 0,4 Quadratmeter zu. Das liege daran, dass der Anteil der Ein-Personen-Haushalte steige. Die Anzahl erteilter Baugenehmigungen sei dagegen deutlich zurückgegangen..

Rolf Kleinmann vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung, ist dagegen pessimistisch. Sein Zukunftsszenario: „Die Bevölkerung geht zurück, die Fahrtkosten zur Arbeitsstelle steigen. Immer mehr Menschen ziehen in die Städte. Die Bautätigkeit im ländlichen Raum wird zurückgehen. Die Immobilienpreise werden fallen.“

Auch die Stadt Buchen plant derzeit nicht, neue Baugebiete auszuweisen. Nach den Worten von Arndt Kirchgeßner, bei der Stadt für Liegenschaften zuständig, läuft der Verkauf der insgesamt 150 Bauplätze im Baugebiet „Hühnerberg“ nur schleppend. Weiteres Bauland bietet die Stadt am „Limbacher Weg“ sowie in den Ortsteilen Eberstadt, Götzingen, Hettigenbeuern, Hainstadt, Einbach, Hettingen, Hollerbach, Stürzenhardt, Waldhausen und Unterneudorf an. Bei einer Umfrage zum Jahresende ermittelte die Stadtverwaltung, dass sich darüber hinaus mehr als 40 unbebaute Baugrundstücke ohne Bauzwang in privater Hand befinden.

Hohes Angebot, geringe Nachfrage: „Wir müssen die wenigen Kunden hegen und pflegen“, formuliert Immobilienmakler Günther Baumbusch seine Devise. Seine Kollegen dürften sich ihm anschließen.

(erschienen in den Fränkischen Nachrichten, Ausgabe Buchen, am 4. März 2010. http://www.fnweb.de/service/archiv/artikel/686568064.html)

Neues Molch-Rohr für 70.000 Euro

Fehler bei den Amphibien-Tunneln auf der Walldürner Höhe

Buchen/Walldürn. Das Regierungspräsidium muss weitere 70.000 Euro in Amphibientunnel auf der Walldürner Höhe investieren. Der Grund: Als man den neuen Radweg neben der alten B 27 anlegte, berücksichtigte man nicht die Wanderungsgewohnheiten des Kammmolchs. Jetzt werden die Rohre im Eiderbachgraben ausgetauscht.

Vor rund einem Jahr waren die Emotionen zwischen Naturschützern und eher pragmatisch veranlagten Bürgern hochgekocht. Die Leserbriefspalten der Zeitungen füllten sich, nicht immer wurde sachlich argumentiert. So wurden zum Beispiel die Kosten für die Amphibientunnel mit dem Finanzbedarf von Kindergärten oder Hartz-IV-Empfängern verglichen. Grund für die Aufregung: An der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Walldürn und Hainstadt, neben der Bundesstraße, wurden für rund 220.000 Euro Krötentunnel verlegt. Jetzt muss der Staat weitere 70.000 Euro investieren, weil man beim Anlegen eines Radwegs nicht an die Wanderungsgewohnheiten des Kammmolchs gedacht hat. Der Kammolch durchquert seit hunderten, möglicherweise seit tausenden von Jahren den Eiderbachgraben, ein Bächlein, das unter dem neuen Radweg durchführt. Wie Sven König von der Pressestelle des Regierungspräsidiums mitteilt, wurde im vergangenen Jahr ein rundes Kanalrohr im Eiderbachgraben verlegt, damit die Molche den Radweg unterirdisch würde überwinden können. Doch der Durchmesser des Rohrs ist zu gering.

„Die BUND-Ortsgruppe Buchen hat uns über das Problem informiert“, sagt König. Daraufhin trafen sich Vertreter des Landesnaturschutzverbands und des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) zu einem Orttermin. Dabei bestätigten sich die Beobachtungen der BUND-Mitglieder.

Wie eine Naturschützerin, die namentlich nicht genannt sein will, erläutert, vertrage das Reptil die durch das neuverlegte runde Rohr gestiegene Strömungsgeschwindigkeit im Eiderbachgraben nicht. Die Tiere versuchten, die Böschung zu erklimmen, um oberirdisch ihren Weg fortzusetzen. Allerdings sei die Böschung zu steil, so dass die Molche zurückfielen in den Bach und dort jämmerlich zugrunde gingen.

König vom Regierungspräsidium bestätigt diesen Sachverhalt. Man wolle deshalb noch in diesem Halbjahr das runde Rohr gegen ein eckiges mit einem Querschnitt von drei Metern ersetzen. Die Bauzeit werde, abhängig von der Witterung, auf einen Monat geschätzt, die Kosten auf 70.000 Euro.

Weil die Umweltschützerin Anfeindungen und politischen Druck fürchtet, will sie ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Sie wirft der Straßenbaubehörde grobe Versäumnisse vor: „Das ist eine Fehlkonstruktion der Straßenbaubehörde“, sagt sie. „Die haben gebaut, ohne nachzudenken.“ Die Umweltschützer beobachteten einige Nächte lang das vergebliche Bemühen der Kammmolche, den Radweg zu überqueren, und retteten so viele wie möglich von diesen. „Die Tiere haben keine Chance“, betont die Frau. „Das hätten die staatlichen Umweltschützer vorher erkennen müssen. Anscheinend spricht die eine Behörde nicht mit der anderen.“

Jetzt wird dem Umweltschutz genüge getan. Bereits in der vergangenen Woche rückte ein Bagger an. Das zu enge Rohr wurde bereits entfernt, dabei leider auch ein Telefonkabel durchtrennt. Im Raum Walldürn und Höpfingen mussten Bürger deshalb einen halben Tag lang auf Telefon und Internet verzichten.

(erschienen in den Fränkischen Nachrichten, Ausgabe Buchen, am 2. März 2010,
www.fnweb.de)

Alles, nur bitte keine Kritik !

Friede-, Freude-, Eierkuchen-Berichterstattung in der lokalen Kultur

Immer wieder bin ich als lokaler Kulturberichterstatter unterwegs.  So besuche ich Konzerte von Klassik über Jazz bis Pop sowie  Kabarett, Comedy, Theater. Und natürlich kenne ich  mich nicht überall gleichermaßen aus.

Doch was erwartet man eigentlich von einem lokalen Kulturberichterstatter?
Die Veranstalter wollen natürlich, dass die Veranstaltung in bestem Licht erscheint. Die Künstler wünschen sich eine gute Kritik. Und die Besucher erwarten, dass der Artikel wiedergibt, was sie erlebt und empfunden haben. Und die Redaktion? Die will vermeiden, dass Anzeigenkunden  und die Leser ihrer Zeitung verärgert werden.
Was bleibt dem Berichterstatter also? Entweder er verfasst ein wohlgefälliges Blabla, das niemandem wehtut, oder er setzt sich möglicherweise zwischen alle Stühle.
Berichtet man wohlgefällig, spielt es überhaupt keine Rolle, ob man sich mit der Materie auskennt. Der Könner tut natürlich so, als sei er Experte, verwendet Fachbegriffe, greift auf den passenden Jargon zurück, bläst also heiße Luft auf.
Berichtet man kritisch, sollte man wissen, worüber man schreibt. Denn auch eine wohlwollend formulierte Kritik ist immer noch eine Kritik. Und bekanntlich können nicht alle Menschen damit souverän umgehen.  Manchmal mag auch der persönliche Geschmack eine Rolle spielen. Und über den lässt sich bekanntlich streiten. Nur Streit will keine haben in der lokalen Kultur.
Ein weiterer wichtiger Aspekt kommt hinzu: Oft musizieren oder schauspielern Laien und Amateure. Sie verdienen kein Geld damit. Sie machen es aus Spaß an der Freude.  Sie wollen andere damit unterhalten. Und sie geben sich redlich Mühe damit.
Natürlich kann man solche Darbietungen nicht mit professionellen Maßstäben messen. Aber ein bisschen vielleicht schon, oder nicht? Kann ein Dirigent nicht dankbar sein dafür, wenn ihm Schwächen in seiner Arbeit aufgezeigt werden? Natürlich kann er das, es sei denn, der ist der unumstrittene Herrscher seines Chores und des gesamten Vereins.
Ist also der lokale Kulturberichterstatter dazu verdammt, die Unwahrheit zu schreiben? Oder zu beschönigen, zu vernebeln, zu verschweigen?
Dann wäre es wohl die fairste Lösung, einfach ein Foto abzudrucken und rein nachrichtlich mitzuteilen, dass etwas stattgefunden hat.

Warum man den VfB bald wieder küssen wird

Was Worte über die Zukunft der Stuttgarter Fußballer aussagen

Rein sprachlich scheint Markus Babbel, Cheftrainer beim VfB Stuttgart, die Lage im Griff zu haben. Zwar ist die Mannschaft nach der jüngsten Niederlage gegen Hannover um einen Tabellenplatz abgerutscht und verfügt über genauso wenige Punkte wie der Vorletzte. Dennoch macht Babbel in seiner Wortwahl deutlich, dass es sich dabei nur um einen vorübergehenden Zustand handelt. Er gebraucht Formulierungen wie “zurzeit”, “momentan” oder “in dieser Situation”. Oder er drückt sich so ähnlich aus wie: “Die Mannschaft hat es bisher nicht geschafft, …”.
Und auch Mannschaftskapitän Thomas Hitzlsperger sagt: “In einer solchen Situation hat man halt Pech”, und nicht “Wir werden vom Pech verfolgt.”
Nach Forschungen des amerikanischen Psychologen bestehen damit gute Chancen, dass die Mannschaft bald wieder erfolgreicher spielen wird. Allerdings müsste man die Wortwahl der gesamten Mannschaft analysieren, um eine sicherere Prognose abgeben zu können.
Denn Seligman hat durch seine Studien herausgefunden, dass Menschen mit ihrer Sprache ihre Weltsicht verraten. Pessimisten werten Misserfolge als dauerhaft, selbstverschuldet und unabänderlich. Optimisten bewerten solche Situationen dagegen als vorübergehend, fremdverschuldet  und veränderbar. Bei positiven Ergebnisse ist es dagegen umgekehrt.  Diese werden von Pessimisten als vorübergehend und veränderlich angesehen, während Optimisten davon überzeugt sind, dass diese von Dauer sind und dass Sie allein die Verantwortung dafür tragen.

Seligman hat mit seiner Sprachanalyse übrigens die Ergebnisse von Präsidentenwahlen zutreffender vorhergesagt als die meisten Meinungsforschungsinstituge . Und auch bei Sportergebnissen lag er meist richtig.
Ob die Erkenntnisse Seligmans allerdings dem Trainer Markus Babbel helfen werden, sei dahingestellt. Schließlich ist das Profi-Fußballgeschäft sehr schnelllebig.

Wenn Sie mehr über dieses interessante Thema wisen wollen, empfehle ich Ihnen das Buch “Pessimisten küsst man nicht” von Martin Seligman.

Ist schon der 23.? Dann “brand eins” kaufen

Oktober 21, 2009 · Posted in In Eigener Sache · Comment 

In eigener Sache: Martin Bernhard in “brand eins”

Kennen Sie das Wirtschaftsmagazin “brand eins”? Ich selbst habe es schon seit Jahren abonniert. Es berichtet anders über Wirtschaft als herkömmliche Wirtschaftsmagazine. Aus einem anderen Blickwinkel, mit farbigen und lebendigen Texten, über ungewöhnliche Themen. Wer brand eins lesen will, muss nicht Betriebs- oder Volkswirtschaft studiert haben. Es reicht, wenn man sich für Menschen und das, “was Wirtschaft treibt”, interessiert.
Da ich die Zeitschrift schon seit Jahren schätze, freut es mich umso mehr, nun zu ihren Autoren zu zählen. Lesen Sie in der November-Ausgabe ein von mir verfasstes Porträt über Manfred Sauer, ein Unternehmer aus Lobbach bei Heidelberg, der über einen wahrlich außergewöhnlichen Lebensweg verfügt. Das Heft ist ab 23. Oktober im Handel.

www.brandeins.de

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