Stell dir vor, man bindet dich ein, und keiner kriegt es mit
November 29, 2010 · Posted in Metropolregion Rhein-Neckar, Total Lokal: Buchen und Neckar-Odenwald-Kreis
Stellungnahme von Dr. Achim Brötel, Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, auf die Antwort von Regina Pfriem von der Metropolregion Rhein-Neckar GmbHSehr geehrte Frau Pfriem,
im Neckar-Odenwald-Kreis kursiert seit zwei Tagen ein Internetlink (www.diefeder.de/2010/11/wir-bemuhen-uns-um-den-landlichen-raum/), in dem Sie aus einem Gespräch mit dem Journalisten Martin Bernhard u.a. wie folgt zitiert werden:
“Wird der Ländliche Raum von der Metropolregion vernachlässigt? Regina Pfriem, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH sowie beim Verein “Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar e.V.” beantwortete diese Frage in einem Telefongespräch mit dem Autor dieser Zeilen mit einem klaren “Nein”. Nach ihren Worten bindet man die ländlichen Landkreise in die Arbeit der Metropolregion ein. So habe man vor kurzem eine Vorstandssitzung in Mosbach abgehalten. Immer wieder versuche man, Kommunalpolitiker aus dem Neckar-Odenwald-Kreis zur Mitarbeit zu motivieren. Dies werde oft abgelehnt. Später beklagten jene Politiker sich dann darüber, in die Entscheidungsprozesse nicht einbezogen worden zu sein.”
Falls diese Äußerungen tatsächlich so gefallen sein sollten, wäre das in meinen Augen allerdings ein neuer atmosphärischer Tiefpunkt in dem ohnehin belasteten Verhältnis der Metropolregion zu ihren ländlichen Räumen. Für meine Person weise ich die damit verbundene Unterstellung jedenfalls entschieden zurück. Es war und es ist mir nicht erst seit gestern ein Anliegen, bei der Metropolregion nicht nur körperlich präsent zu sein, sondern auch aktiv mitzuarbeiten. Wenn Sie einen gegenteiligen Eindruck haben, bitte ich ausdrücklich darum, “Ross und Reiter” zu nennen. In dieser pauschalen Form kann das aber so sicher nicht stehen bleiben. Ich werde Herrn Bernhard deshalb ausdrücklich authorisieren, auch meine Antwort auf seiner Website zu veröffentlichen.
Im übrigen spricht Ihre Aussage, man binde die ländlichen Landkreise in die Arbeit der Metropolregion ein und habe vor kurzem sogar eine Vorstandssitzung in Mosbach abgehalten, allerdings Bände. Um Ihnen eine objektive Beurteilung dieser “Einbindung” zu ermöglichen, erlaube ich mir folgende kurze Hinweise:
A) Von der Vorstandssitzung des Vereins hat weder die Große Kreisstadt Mosbach noch das Landratsamt Kenntnis gehabt. Wenn das Ihre Form der “Einbindung” ist, dann gute Nacht. IHK-Präsident Dr. Vogel, der lediglich sein Gebäude zur Verfügung gestellt hat, hat mich von sich aus inzwischen angerufen und sich förmlich für dieses Versäumnis (das gar nicht seines war!) entschuldigt. Bei der IHK (und in gleicher Weise bei der Handwerkskammer) wird nämlich wirklich regional gedacht. Bei der Metropolregion selbst ist das leider nicht der Fall.
B) Die GmbH hat die Sonderbeilage “5 Jahre Metropolregion” zu verantworten, in der die ländlichen Räume (nicht nur, aber auch der Neckar-Odenwald-Kreis) nahezu nicht vorkommen. Nach den mir vorliegenden Informationen war der Verband dabei noch nicht einmal beteiligt geschweige denn wenigstens informell eingebunden. So kann man natürlich auch arbeiten.
C) Der Verband hat eine Verkehrskonferenz Neckartal durchgeführt, in der es insbesondere um unsere (sic!) bessere verkehrliche Anbindung an die Zentren ging. Leider hat man uns dazu aber noch nicht einmal eingeladen. Dafür hat sich Verbandsdirektor Schlusche inzwischen ebenfalls entschuldigt. Ich akzeptiere diese Entschuldigung, wenngleich ich den zugrunde liegenden Vorgang auch heute noch nicht verstehen kann. Das soll deshalb bewusst kein “Nachtreten” sein, aber eine Illustration für das “Einbinden der ländlichen Landkreise” durch die hohe Metropolregion.
Das waren drei kleine Splitter – alle drei aus den letzten vier Wochen, und das in allen Bereichen, bei Verband, GmbH und Verein. Jeder andere würde da auch mit deutlichen Worten reagieren. Wer selbst im metropolitanen Glashaus sitzt, hat allerdings sicher kein Recht, dann auch noch mit Steinen zu werfen. Da gäbe es erst einmal viele, viele Hausaufgaben im eigenen Bereich zu machen.
Mit freundlichen Grüßen
A. Brötel CommentsEine Antwort verfassen |
