Viele Häuser, wenig Käufer

Schwere Zeiten für Immobilienverkäufer in Buchen

Fast zwei Jahre lang stand das Einfamilienhaus in innenstadtnaher Lage in Buchen zum Verkauf. Und wer die Immobilienanzeigen aufmerksam verfolgte, stellte fest, wie der Angebotspreis allmählich fiel: Der Anfangspreis von 275.000 Euro hielt sich ein gutes Jahr lang, dann ging es in 10.000-Euro-Schritten nach unten. Man hatte sich schon fast an das Schild „Zu verkaufen“ in den Fenstern des Hauses gewöhnt, da kehrte plötzlich Leben in die Bude ein. Die Immobilie hatte den Besitzer gewechselt, für 210.000 Euro.

Da sind die Eigentümer einer Immobillie mit zehn Zimmern in einem Wohngebiet im Westen der Stadt hartnäckiger. Seit fünf Jahren versuchen sie vergeblich, für das vom Vater geerbte Haus einen neuen Eigentümer zu finden. Interessenten gab es schon, allein der Preis, den diese zu zahlen bereit gewesen wären, passte nicht. Die Erbengemeinschaft wollte ursprünglich 215.000 Euro erzielen, inzwischen wären sie auch mit 198.000 Euro zufrieden. Doch die Angebote lagen nicht über 175.000 Euro. „Aber verschleudern wollen wir unser Elternhaus auch nicht“, sagt einer der Erben.

Elternhaus, kürzlich getätigte aufwändige Renovierungsarbeiten, höhere Preise in anderen Städten: Den potenziellen Käufer interessiert all das nicht. Letztlich entscheiden auch auf diesem Markt Angebot und Nachfrage über den Preis. Und da die Nachfrage fällt, das Angebot dagegen zunimmt, kann man nicht mit steigenden Preisen rechnen, im Gegenteil. „Es stehen viele ältere Häuser zum Verkauf“, hat Norbert Lobeck, Makler bei der Sparkassen-Immobilien-Gesellschaft Neckar-Odenwald-Bauland in Buchen, festgestellt. Und Immobilienmakler Günther Baumbusch bringt die Marktverhältnisse auf einen prägnanten Nenner: „Das Angebot überwiegt die Nachfrage extrem. Die Nachfrage ist extrem gering.“

Viele, vor allem private Verkäufer, schätzten den Markt völlig falsch ein. „Es gibt in Buchen viele Immobilien, die zu teuer sind. Die werden in der Regel von Privatleuten angeboten“, sagt Immobilienmakler Hartmut Kirchgeßner. Wenn sie dann eines Tages doch verkauft würden, dann oft 20 bis 30 Prozent unter dem ursprünglich angeboteten Preis.

Kirchgeßner hält nichts davon, ein Haus zunächst zu einem zu hohen Preis anzubieten und diesen langsam zu senken, sollte es sich anders nicht verkaufen lassen. „Am Anfang sollte eine professionelle Verkaufswertermittlung stehen.“ Darin fließen Gebäudewert aber auch eine realistische Markteinschätzung ein.

Doch auch wenn man glaubt, bei der Wertermittlung alles richtig gemacht zu haben, braucht man als Verkäufer Geduld. „Ich habe kürzlich ein Haus „Am Himmelreich“ für 165.000 Euro angeboten. Keiner hat angerufen.“ Nach den Worten von Günther Baumbusch hätte man für dieses Gebäude vor zwei Jahren noch 200.000 Euro erzielen können. Aus dem Angebot an Immobilien in und um Buchen sei längst ein Überangebot geworden. „Und in den nächsten Jahren wird das Angebot noch größer werden“, ist Baumbusch überzeugt.

In den 90er Jahren dagegen war das noch ganz anders. Viele Übersiedler aus Osteuropa, die in Buchen heimisch geworden waren, legten sich Eigenheime zu. Doch schon um die Jahrtausendwende brach die Nachfrage ein. „Seit sechs bis sieben Jahren bewegen sich die Immobilienpreise auf einem flachen Niveau“, sagt Hartmut Kirchgeßner.

Aber wie wird es weitergehen? Einerseits sollte das derzeit niedrige Zinsniveau den Immobilienmarkt beleben, andererseits scheuen potenzielle Käufer angesichts von Kurzarbeit und Angst um den Arbeitsplatz eine solch weitreichende finanzielle Verpflichtung.

Professor Stephan Kippes vom Immobilienverband Deutschland-Süd zeigt sich als Berufsoptimist, zumindest was Süddeutschland angeht. „Wir haben einen wachsenden Wohnflächenbedarf.“ Denn der durchschnittliche Bedarf an Wohnraum pro Person nehme jährlich um 0,3 bis 0,4 Quadratmeter zu. Das liege daran, dass der Anteil der Ein-Personen-Haushalte steige. Die Anzahl erteilter Baugenehmigungen sei dagegen deutlich zurückgegangen..

Rolf Kleinmann vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung, ist dagegen pessimistisch. Sein Zukunftsszenario: „Die Bevölkerung geht zurück, die Fahrtkosten zur Arbeitsstelle steigen. Immer mehr Menschen ziehen in die Städte. Die Bautätigkeit im ländlichen Raum wird zurückgehen. Die Immobilienpreise werden fallen.“

Auch die Stadt Buchen plant derzeit nicht, neue Baugebiete auszuweisen. Nach den Worten von Arndt Kirchgeßner, bei der Stadt für Liegenschaften zuständig, läuft der Verkauf der insgesamt 150 Bauplätze im Baugebiet „Hühnerberg“ nur schleppend. Weiteres Bauland bietet die Stadt am „Limbacher Weg“ sowie in den Ortsteilen Eberstadt, Götzingen, Hettigenbeuern, Hainstadt, Einbach, Hettingen, Hollerbach, Stürzenhardt, Waldhausen und Unterneudorf an. Bei einer Umfrage zum Jahresende ermittelte die Stadtverwaltung, dass sich darüber hinaus mehr als 40 unbebaute Baugrundstücke ohne Bauzwang in privater Hand befinden.

Hohes Angebot, geringe Nachfrage: „Wir müssen die wenigen Kunden hegen und pflegen“, formuliert Immobilienmakler Günther Baumbusch seine Devise. Seine Kollegen dürften sich ihm anschließen.

(erschienen in den Fränkischen Nachrichten, Ausgabe Buchen, am 4. März 2010. http://www.fnweb.de/service/archiv/artikel/686568064.html)

Comments

One Response to “Viele Häuser, wenig Käufer”

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