Neues Molch-Rohr für 70.000 Euro

Fehler bei den Amphibien-Tunneln auf der Walldürner Höhe

Buchen/Walldürn. Das Regierungspräsidium muss weitere 70.000 Euro in Amphibientunnel auf der Walldürner Höhe investieren. Der Grund: Als man den neuen Radweg neben der alten B 27 anlegte, berücksichtigte man nicht die Wanderungsgewohnheiten des Kammmolchs. Jetzt werden die Rohre im Eiderbachgraben ausgetauscht.

Vor rund einem Jahr waren die Emotionen zwischen Naturschützern und eher pragmatisch veranlagten Bürgern hochgekocht. Die Leserbriefspalten der Zeitungen füllten sich, nicht immer wurde sachlich argumentiert. So wurden zum Beispiel die Kosten für die Amphibientunnel mit dem Finanzbedarf von Kindergärten oder Hartz-IV-Empfängern verglichen. Grund für die Aufregung: An der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Walldürn und Hainstadt, neben der Bundesstraße, wurden für rund 220.000 Euro Krötentunnel verlegt. Jetzt muss der Staat weitere 70.000 Euro investieren, weil man beim Anlegen eines Radwegs nicht an die Wanderungsgewohnheiten des Kammmolchs gedacht hat. Der Kammolch durchquert seit hunderten, möglicherweise seit tausenden von Jahren den Eiderbachgraben, ein Bächlein, das unter dem neuen Radweg durchführt. Wie Sven König von der Pressestelle des Regierungspräsidiums mitteilt, wurde im vergangenen Jahr ein rundes Kanalrohr im Eiderbachgraben verlegt, damit die Molche den Radweg unterirdisch würde überwinden können. Doch der Durchmesser des Rohrs ist zu gering.

„Die BUND-Ortsgruppe Buchen hat uns über das Problem informiert“, sagt König. Daraufhin trafen sich Vertreter des Landesnaturschutzverbands und des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) zu einem Orttermin. Dabei bestätigten sich die Beobachtungen der BUND-Mitglieder.

Wie eine Naturschützerin, die namentlich nicht genannt sein will, erläutert, vertrage das Reptil die durch das neuverlegte runde Rohr gestiegene Strömungsgeschwindigkeit im Eiderbachgraben nicht. Die Tiere versuchten, die Böschung zu erklimmen, um oberirdisch ihren Weg fortzusetzen. Allerdings sei die Böschung zu steil, so dass die Molche zurückfielen in den Bach und dort jämmerlich zugrunde gingen.

König vom Regierungspräsidium bestätigt diesen Sachverhalt. Man wolle deshalb noch in diesem Halbjahr das runde Rohr gegen ein eckiges mit einem Querschnitt von drei Metern ersetzen. Die Bauzeit werde, abhängig von der Witterung, auf einen Monat geschätzt, die Kosten auf 70.000 Euro.

Weil die Umweltschützerin Anfeindungen und politischen Druck fürchtet, will sie ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Sie wirft der Straßenbaubehörde grobe Versäumnisse vor: „Das ist eine Fehlkonstruktion der Straßenbaubehörde“, sagt sie. „Die haben gebaut, ohne nachzudenken.“ Die Umweltschützer beobachteten einige Nächte lang das vergebliche Bemühen der Kammmolche, den Radweg zu überqueren, und retteten so viele wie möglich von diesen. „Die Tiere haben keine Chance“, betont die Frau. „Das hätten die staatlichen Umweltschützer vorher erkennen müssen. Anscheinend spricht die eine Behörde nicht mit der anderen.“

Jetzt wird dem Umweltschutz genüge getan. Bereits in der vergangenen Woche rückte ein Bagger an. Das zu enge Rohr wurde bereits entfernt, dabei leider auch ein Telefonkabel durchtrennt. Im Raum Walldürn und Höpfingen mussten Bürger deshalb einen halben Tag lang auf Telefon und Internet verzichten.

(erschienen in den Fränkischen Nachrichten, Ausgabe Buchen, am 2. März 2010,
www.fnweb.de)

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