Viele Häuser, wenig Käufer
März 25, 2010 · Posted in Der rasende Reporter, Metropolregion Rhein-Neckar, Total Lokal: Buchen und Neckar-Odenwald-Kreis · 1 Comment
Schwere Zeiten für Immobilienverkäufer in Buchen Fast zwei Jahre lang stand das Einfamilienhaus in innenstadtnaher Lage in Buchen zum Verkauf. Und wer die Immobilienanzeigen aufmerksam verfolgte, stellte fest, wie der Angebotspreis allmählich fiel: Der Anfangspreis von 275.000 Euro hielt sich ein gutes Jahr lang, dann ging es in 10.000-Euro-Schritten nach unten. Man hatte sich schon fast an das Schild „Zu verkaufen“ in den Fenstern des Hauses gewöhnt, da kehrte plötzlich Leben in die Bude ein. Die Immobilie hatte den Besitzer gewechselt, für 210.000 Euro.
Da sind die Eigentümer einer Immobillie mit zehn Zimmern in einem Wohngebiet im Westen der Stadt hartnäckiger. Seit fünf Jahren versuchen sie vergeblich, für das vom Vater geerbte Haus einen neuen Eigentümer zu finden. Interessenten gab es schon, allein der Preis, den diese zu zahlen bereit gewesen wären, passte nicht. Die Erbengemeinschaft wollte ursprünglich 215.000 Euro erzielen, inzwischen wären sie auch mit 198.000 Euro zufrieden. Doch die Angebote lagen nicht über 175.000 Euro. „Aber verschleudern wollen wir unser Elternhaus auch nicht“, sagt einer der Erben.
Elternhaus, kürzlich getätigte aufwändige Renovierungsarbeiten, höhere Preise in anderen Städten: Den potenziellen Käufer interessiert all das nicht. Letztlich entscheiden auch auf diesem Markt Angebot und Nachfrage über den Preis. Und da die Nachfrage fällt, das Angebot dagegen zunimmt, kann man nicht mit steigenden Preisen rechnen, im Gegenteil. „Es stehen viele ältere Häuser zum Verkauf“, hat Norbert Lobeck, Makler bei der Sparkassen-Immobilien-Gesellschaft Neckar-Odenwald-Bauland in Buchen, festgestellt. Und Immobilienmakler Günther Baumbusch bringt die Marktverhältnisse auf einen prägnanten Nenner: „Das Angebot überwiegt die Nachfrage extrem. Die Nachfrage ist extrem gering.“ Viele, vor allem private Verkäufer, schätzten den Markt völlig falsch ein. „Es gibt in Buchen viele Immobilien, die zu teuer sind. Die werden in der Regel von Privatleuten angeboten“, sagt Immobilienmakler Hartmut Kirchgeßner. Wenn sie dann eines Tages doch verkauft würden, dann oft 20 bis 30 Prozent unter dem ursprünglich angeboteten Preis. Kirchgeßner hält nichts davon, ein Haus zunächst zu einem zu hohen Preis anzubieten und diesen langsam zu senken, sollte es sich anders nicht verkaufen lassen. „Am Anfang sollte eine professionelle Verkaufswertermittlung stehen.“ Darin fließen Gebäudewert aber auch eine realistische Markteinschätzung ein. Doch auch wenn man glaubt, bei der Wertermittlung alles richtig gemacht zu haben, braucht man als Verkäufer Geduld. „Ich habe kürzlich ein Haus „Am Himmelreich“ für 165.000 Euro angeboten. Keiner hat angerufen.“ Nach den Worten von Günther Baumbusch hätte man für dieses Gebäude vor zwei Jahren noch 200.000 Euro erzielen können. Aus dem Angebot an Immobilien in und um Buchen sei längst ein Überangebot geworden. „Und in den nächsten Jahren wird das Angebot noch größer werden“, ist Baumbusch überzeugt.
In den 90er Jahren dagegen war das noch ganz anders. Viele Übersiedler aus Osteuropa, die in Buchen heimisch geworden waren, legten sich Eigenheime zu. Doch schon um die Jahrtausendwende brach die Nachfrage ein. „Seit sechs bis sieben Jahren bewegen sich die Immobilienpreise auf einem flachen Niveau“, sagt Hartmut Kirchgeßner. Aber wie wird es weitergehen? Einerseits sollte das derzeit niedrige Zinsniveau den Immobilienmarkt beleben, andererseits scheuen potenzielle Käufer angesichts von Kurzarbeit und Angst um den Arbeitsplatz eine solch weitreichende finanzielle Verpflichtung. Professor Stephan Kippes vom Immobilienverband Deutschland-Süd zeigt sich als Berufsoptimist, zumindest was Süddeutschland angeht. „Wir haben einen wachsenden Wohnflächenbedarf.“ Denn der durchschnittliche Bedarf an Wohnraum pro Person nehme jährlich um 0,3 bis 0,4 Quadratmeter zu. Das liege daran, dass der Anteil der Ein-Personen-Haushalte steige. Die Anzahl erteilter Baugenehmigungen sei dagegen deutlich zurückgegangen.. Rolf Kleinmann vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung, ist dagegen pessimistisch. Sein Zukunftsszenario: „Die Bevölkerung geht zurück, die Fahrtkosten zur Arbeitsstelle steigen. Immer mehr Menschen ziehen in die Städte. Die Bautätigkeit im ländlichen Raum wird zurückgehen. Die Immobilienpreise werden fallen.“ Auch die Stadt Buchen plant derzeit nicht, neue Baugebiete auszuweisen. Nach den Worten von Arndt Kirchgeßner, bei der Stadt für Liegenschaften zuständig, läuft der Verkauf der insgesamt 150 Bauplätze im Baugebiet „Hühnerberg“ nur schleppend. Weiteres Bauland bietet die Stadt am „Limbacher Weg“ sowie in den Ortsteilen Eberstadt, Götzingen, Hettigenbeuern, Hainstadt, Einbach, Hettingen, Hollerbach, Stürzenhardt, Waldhausen und Unterneudorf an. Bei einer Umfrage zum Jahresende ermittelte die Stadtverwaltung, dass sich darüber hinaus mehr als 40 unbebaute Baugrundstücke ohne Bauzwang in privater Hand befinden. Hohes Angebot, geringe Nachfrage: „Wir müssen die wenigen Kunden hegen und pflegen“, formuliert Immobilienmakler Günther Baumbusch seine Devise. Seine Kollegen dürften sich ihm anschließen. (erschienen in den Fränkischen Nachrichten, Ausgabe Buchen, am 4. März 2010. http://www.fnweb.de/service/archiv/artikel/686568064.html)
Neues Molch-Rohr für 70.000 Euro
März 15, 2010 · Posted in Der rasende Reporter, Total Lokal: Buchen und Neckar-Odenwald-Kreis · Comment
Fehler bei den Amphibien-Tunneln auf der Walldürner HöheBuchen/Walldürn. Das Regierungspräsidium muss weitere 70.000 Euro in Amphibientunnel auf der Walldürner Höhe investieren. Der Grund: Als man den neuen Radweg neben der alten B 27 anlegte, berücksichtigte man nicht die Wanderungsgewohnheiten des Kammmolchs. Jetzt werden die Rohre im Eiderbachgraben ausgetauscht.
Vor rund einem Jahr waren die Emotionen zwischen Naturschützern und eher pragmatisch veranlagten Bürgern hochgekocht. Die Leserbriefspalten der Zeitungen füllten sich, nicht immer wurde sachlich argumentiert. So wurden zum Beispiel die Kosten für die Amphibientunnel mit dem Finanzbedarf von Kindergärten oder Hartz-IV-Empfängern verglichen. Grund für die Aufregung: An der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Walldürn und Hainstadt, neben der Bundesstraße, wurden für rund 220.000 Euro Krötentunnel verlegt. Jetzt muss der Staat weitere 70.000 Euro investieren, weil man beim Anlegen eines Radwegs nicht an die Wanderungsgewohnheiten des Kammmolchs gedacht hat. Der Kammolch durchquert seit hunderten, möglicherweise seit tausenden von Jahren den Eiderbachgraben, ein Bächlein, das unter dem neuen Radweg durchführt. Wie Sven König von der Pressestelle des Regierungspräsidiums mitteilt, wurde im vergangenen Jahr ein rundes Kanalrohr im Eiderbachgraben verlegt, damit die Molche den Radweg unterirdisch würde überwinden können. Doch der Durchmesser des Rohrs ist zu gering. „Die BUND-Ortsgruppe Buchen hat uns über das Problem informiert“, sagt König. Daraufhin trafen sich Vertreter des Landesnaturschutzverbands und des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) zu einem Orttermin. Dabei bestätigten sich die Beobachtungen der BUND-Mitglieder. Wie eine Naturschützerin, die namentlich nicht genannt sein will, erläutert, vertrage das Reptil die durch das neuverlegte runde Rohr gestiegene Strömungsgeschwindigkeit im Eiderbachgraben nicht. Die Tiere versuchten, die Böschung zu erklimmen, um oberirdisch ihren Weg fortzusetzen. Allerdings sei die Böschung zu steil, so dass die Molche zurückfielen in den Bach und dort jämmerlich zugrunde gingen. König vom Regierungspräsidium bestätigt diesen Sachverhalt. Man wolle deshalb noch in diesem Halbjahr das runde Rohr gegen ein eckiges mit einem Querschnitt von drei Metern ersetzen. Die Bauzeit werde, abhängig von der Witterung, auf einen Monat geschätzt, die Kosten auf 70.000 Euro. Weil die Umweltschützerin Anfeindungen und politischen Druck fürchtet, will sie ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Sie wirft der Straßenbaubehörde grobe Versäumnisse vor: „Das ist eine Fehlkonstruktion der Straßenbaubehörde“, sagt sie. „Die haben gebaut, ohne nachzudenken.“ Die Umweltschützer beobachteten einige Nächte lang das vergebliche Bemühen der Kammmolche, den Radweg zu überqueren, und retteten so viele wie möglich von diesen. „Die Tiere haben keine Chance“, betont die Frau. „Das hätten die staatlichen Umweltschützer vorher erkennen müssen. Anscheinend spricht die eine Behörde nicht mit der anderen.“ Jetzt wird dem Umweltschutz genüge getan. Bereits in der vergangenen Woche rückte ein Bagger an. Das zu enge Rohr wurde bereits entfernt, dabei leider auch ein Telefonkabel durchtrennt. Im Raum Walldürn und Höpfingen mussten Bürger deshalb einen halben Tag lang auf Telefon und Internet verzichten. (erschienen in den Fränkischen Nachrichten, Ausgabe Buchen, am 2. März 2010,
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