Segen und Fluch von ZitatfreigabenKommunikationsabteilungen sollten auch nach innen kommunizierenWer als Journalist professionell Informationen sammelt, auswertet und zur Veröffentlichung aufbereitet, ist dem Segen und Fluch der Zitatfreigabe ausgesetzt. Segen deshalb, weil man durch ein Gegenlesen und Freigeben von Sachverhalten mögliche Fehler vermeidet; Fluch, weil der Freigabeprozess möglicherweise sehr zeitaufwendig sein kann und weil vielleicht gerade die Passagen geändert werden könnten, die den Text besonders bereichern. Und es kann einem auch Folgendes passieren: Für einen Artikel für die Financial Times Deutschland recherchierte ich bei einem Unternehmen, das weltweit rund 30.000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Kontakt zu meinem Gesprächspartner, dem Leiter einer Entwicklungsabteilung, kam über einen Berater zustande. Dieser Chefentwickler war sehr kooperativ. Bei einem ersten Telefonat hörte er sich geduldig meine Fragen an und verwies darauf, dass er sich zunächst unternehmensintern kundig machen müsse. Das tat er dann auch und beantwortete meine Fragen zu meiner vollen Zufriedenheit. Da er nicht um eine Zitatfreigabe bat und das Thema auch nicht sonderlich brisant war, verfasste ich meinen Artikel und alles war gut – doch nur zunächst. Nach drei Wochen meldete sich der Mitarbeiter wieder bei mir und fragte, was ich über seine Firma geschrieben hätte. Denn seine Kommunikationsabteilung habe ihn darauf hingewiesen, dass Informationen an die Medien nicht ohne ihre Zustimmung herausgegeben werden dürften. Zu diesem Zeitpunkt war der Artikel zwar noch nicht erschienen. Das Layout war jedoch weitgehend erstellt, so dass nur leichte Änderungen im Text berücksichtigt werden konnten. Ich schickte dem Chefentwickler also seine Zitate und las ihm vor, in welchem Textzusammenhang sie verwendet werden. Er stellte ein paar Kleinigkeiten sofort richtig, verwies aber darauf, dass er noch die Freigabe seiner Kommunikationsabteilung einholen müsse. Sicherheitshalber informierte ich die Redaktion der Financial Times Deutschland über den Vorfall. Würde die Redaktion zu ihrem Autor stehen? Um solche Irritationen mit Journalisten zu vermeiden, sollten Unternehmen dafür sorgen, dass ihre maßgeblichen Mitarbeiter wissen, wie sie mit Presseanfragen umzugehen haben. Das spart Zeit, Arbeit und Ärger auf beiden Seiten. Reden bis zum Umfallen
Februar 11, 2009 · Posted in Reden halten, schreiben, anhören (müssen) · Comment
Vorsicht! Grußwortredner!Ein Deutscher, ein Franzose und ein Engländer werden im fernen China zum Tode verurteilt. Jeder hat einen letzten Wunsch frei. Der Franzose wird als Erster gefragt. „Ich möchte noch einmal gut essen. Ein Sechs-Gänge-Menü mit Rotwein.” Er bekommt sein Essen und wird hingerichtet. Der letzte Wunsch des Deutschen: „Ich möchte noch eine große Rede halten.” Darauf der Engländer: „Bevor der Deutsche seine Rede hält, möchte ich erschossen werden.“ Ja, liebe Leser, wir Deutschen sind nicht gerade berühmt für zündende, unterhaltsame Reden. Vielleicht haben Sie selbst schon einen endlosen Reigen langweiliger Grußworte über sich ergehen lassen müssen? Oder Sie haben einen Redenmarathon von zwei Stunden oder länger miterduldet? Leider denken Veranstalter, vor allem wenn diese dem öffentlichen Sektor zuzurechnen sind, bei der Programmplanung meist nur an die Redner und professionellen Grußwort-Sprecher, nicht aber an das Publikum, das diesen endlosen Wortschwall ertragen muss. Vor einiger Zeit ereignete sich in einer kleinen Gemeinde Folgendes: Es ist Sommer, nahezu 30 Grad im Schatten. Ein Gebäude wird eingeweiht. Der Reigen der Grußwortsprecher ist endlos: Bürgermeister, Minister, Hausherr, Ortsvorsteher, Pfarrer, mehrere Vereinsvorsitzende, Architekt, und, und, und. Der Saal ist klein, die Luft ist dick. Die Zeremonie dauert schon über zwei Stunden lang. Da sinkt die Frau eines Ehrengastes bewusstlos zu Boden. Der Reden-Marathon musste abgebrochen werden. Der rasch herbeigerufene Arzt stellt fest: Nichts Ernsthaftes. Nur über die Ursache muss noch gestritten werden: Lag es an der Hitze oder an der durch zu viele Reden verseuchten Luft? Trojanische Pferde in Redaktionen
Februar 3, 2009 · Posted in Journalismus und PR · Comment
Für als Journalisten getarnte PR-Mitarbeiter stehen die Türen der Redaktionen sperrangelweit offenNatürlich freut man sich als freier Journalist darüber, wie leicht es oftmals ist, Redaktionen Themen anzubieten oder sich als neuen Mitarbeiter vorzustellen. Anruf genügt: “Guten Tag, ich bin freier Journalist. Hätten Sie Interesse an dem Thema XYZ?” Und schon ist man nicht nur im Gespräch, sondern häufig auch im Geschäft. Mit nur einer Ausnahme von diesem traurigen Regelfall kann ich übrigens dienen: Das Wirtschaftsmagazin “Brand Eins” weist ausdrücklich darauf hin, dass es keine Artikel abnimmt über Personen oder Unternehmen, für die man als Journalist auch PR macht. Außerdem erhält man nach einem ersten Telefonat die Autorenrichtlinien des Verlags. Nur wenn man diese anerkennt, kann man für das Magazin tätig werden. |
